Für Mutter und Kind?

Das kindliche Abwehrsystem ist noch nicht vollständig ausgereift, daher leiden Kinder viel häufiger an Erkältungen als Erwachsene. Für Schwangere und Stillende sind nicht alle „Grippemittel“ geeignet.

Erkältungs-Symptome bei Kindern

Kleinkinder leiden bis zu zehnmal jährlich an Virusinfektionen der Atemwege, Schulkinder erkranken drei- bis viermal jährlich. Der Grund: das kindliche Abwehrsystem ist noch nicht vollständig ausgereift. Die Erkältungssymptome sind umso belastender, je jünger das Kind ist. Erste Anzeichen einer Erkältung bei Kindern sind oft Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit. Das Risiko einer zusätzlichen Besiedlung der empfindlichen Schleimhäute mit Bakterien ist größer als bei Erwachsenen.
Kinder mit starken Erkältungssymptomen (z.B. bellender Husten) und Fieber über 39°C sollten einem Arzt vorgestellt werden.

Behandlung von Erkältungen bei Kindern

Bei Kindern sollten möglichst keine Kombinationspräparate, sondern Medikamente mit Einzelwirkstoffen für das jeweilige Symptom angewendet werden.


Schnupfen

Bei Schnupfen sind Inhalationen mit Wasserdampf, Kochsalzlösung oder Kamillentee sowie die häufige Anwendung von Nasensprays mit Koch- oder Meersalzlösung empfehlenswert.
Säuglinge mit Schnupfen haben oft Schwierigkeiten beim Trinken. In diesen Fällen ist der kurzfristige (drei bis fünf Tage) Einsatz von Nasentropfen mit den Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin sinnvoll. Dadurch lässt sich auch das Risiko einer Ausbreitung der Infektion in die Nasennebenhöhlen, das Mittelohr und die tieferen Atemwege verringern.


Husten

Hustenstiller (z.B. Clobutinol, Dextromethorphan, Pentoxyverin) sollen bei Kindern nur dann eingesetzt werden, wenn das Allgemeinbefinden (vor allem der Schlaf) durch trockenen Reizhusten stark beeinträchtigt ist.
Schleimlöser chemischer oder pflanzlicher Herkunft (Ambroxol, Bromhexin, Acetylcystein, Spitzwegerich-, Efeu-, Thymianextrakt) sind für Kinder gut geeignet.
Bei akutem, starkem Husten hat sich ein Extrakt aus Pelargonium-Wurzeln als gut wirksam erwiesen.
Lösungen, die Alkohol enthalten, werden bei Kindern unter 14 Jahren nur eingeschränkt empfohlen.
Zubereitungen mit Menthol, Kampfer oder Pfefferminzöl dürfen wegen der Gefahr von Schwellungen im Kehlkopf und Krämpfen in den Atemwegen, die zu einer lebensbedrohlichen Atemnot führen können, bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden. Auf ätherische Öle reagieren manche Kinder allergisch mit Hautausschlägen.


Halsschmerzen

Etwa ab dem Schulalter sind Kinder in der Lage, Mundspül- und Gurgellösungen komplett auszuspucken und Lutschtabletten bis zum vollständigen Zerfall im Mund zu behalten.
Halsschmerzen im Rahmen einer Erkältung können bei Kindern dieses Alters auf folgende Weise gelindert werden:

  • Gurgeln mit Tee aus Salbeiblättern oder Kamillenblüten

  • Lutschen von Salbei-Bonbons oder Lutschtabletten (z.B. mit Emser Salz, Panthenol)




Ohrenschmerzen

Bei Ohrenschmerzen im Rahmen einer Erkältung sind abschwellende Nasentropfen mit Xylometazolin oder Oxymetazolin empfehlenswert. Bei Bedarf können Analgetika (Paracetamol, Ibuprofen) zum Einsatz kommen. Ohrentropfen werden heute nicht mehr empfohlen.


Kopfschmerzen und Fieber

Bei Säuglingen werden gegen Schmerzen und Fieber über 39°C meist Zäpfchen mit dem Wirkstoff Paracetamol angewendet. Gut geeignet sind auch Säfte mit Paracetamol oder Ibuprofen. Dies Maximal-Dosierung muss genau eingehalten werden. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure eignet sich nicht zur Anwendung bei Kindern unter 14 Jahren, da er eine gefährliche Leberentzündung hervorrufen kann.

Unterstützende Maßnahmen bei Kindern mit Erkältung

Neben rezeptfreien Medikamenten können zusätzliche Maßnahmen zur Linderung von Erkältungs-Symptomen bei Kindern beitragen:

  • ruhige Umgebung und liebevolle Zuwendung

  • leichte, ausgewogene und vitaminreiche Kost

  • reichliche Flüssigkeitszufuhr, vor allem warmen Tee

  • Aufenthalt an frischer Luft, wenn es die Verfassung des Kindes erlaubt

  • ausreichend Luftfeuchtigkeit im Schlafraum

  • nicht in Gegenwart des Kindes rauchen

  • Hausmittel wie z.B. Essig-Halswickel bei Halsschmerzen, Wadenwickel bei Fieber über 39°C

Erkältung in Schwangerschaft und Stillzeit

Viele rezeptfreie Medikamente gegen Erkältungs-Symptome dürfen in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden. In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sollten zur Linderung der Beschwerden möglichst nur Hausmittel zur Anwendung kommen.

Folgende Maßnehmen sind geeignet:

Schnupfen

Abschwellend wirkende Nasentropfen sollten nur so kurz wie möglich eingesetzt werden. Bei verstopfter Nase ist es sinnvoll, abwechselnd nur ein Nasenloch mit einem Wirkstoff-haltigen Nasenspray (geeignet: Oxymetazolin, Xylometazolin) , das andere mit Koch- oder Meersalzlösung zu behandeln.
Ursache eines Schnupfens in der Schwangerschaft ist manchmal auch eine hormonbedingte Schwellung der Schleimhäute in den Atemwegen. Hier kann ein Nasenflügelheber Abhilfe schaffen.


Halsschmerzen, Heiserkeit

Sinnvoll ist:

  • Gurgeln mit Salbeitee oder Kamillentee

  • Lutschen von Bonbons oder Pastillen mit Salbei-Extrakt, Emser Salz, Panthenol, Isländisch Moos




Husten

Falls einfache Maßnahmen (z.B. reichliches Trinken von warmen Hustentee, Inhalationen mit Kochsalzlösung) nicht ausreichen, um den Schleim zu lösen, sind folgende Wirkstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit geeignet:

  • Schleimlöser (Bromhexin, Ambroxol, Acetylcystein) als Brausetabletten oder Saft)

  • ätherische Öle als Pastillen oder Kapseln

  • Pflanzenextrakte (z.B. Efeu-, Thymianextrakt) in flüssigen Zubereitungen ohne Alkohol




Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen

In der Schwangerschaft ist Paracetamol der geeignete Wirkstoff bei Schmerzen und Fieber, in der Stillzeit sollte Ibuprofen bevorzugt werden.
Acetylsalicylsäure und Ibuprofen dürfen im letzten Drittel der Schwangerschaft auf keinen Fall angewendet werden.
Quellen:
*Die Angaben zu Medikamenten stützen sich im wesentlichen auf das Standardwerk:Schaefer/Spielmann/Vetter "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit", Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 7. Auflage (2006) und können von den Angaben im Beipackzettel abweichen. Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten in der Schwangerschaft oder Stillzeit konsultieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt.


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